Pathfinder Review

Teil 2 - Ein wirklich gutes Festival

Im ersten Teil des Reviews ging es um meine persönlichen Erlebnisse im Zusammenhang mit meinem ersten Vortrag auf großer Bühne. Du findest ihn hier.

Mein Ticket hatte ich schon lange bevor ich zum Teil des Festivals wurde. Was erhoffte ich mir? Interessante Menschen, neue Kontakte und vielseitig diskutierte Aspekte der neuen Wirtschaft. Und genau das habe ich auch bekommen. Und ein bisschen mehr. Es ist schwer so ein vielfältiges Festival in Worte zu fassen.

Das Start-Konzept der "Reisegruppe" ist eine super Idee. So unkompliziert kommt man selten mit fremden Menschen ins Gespräch. Und dieses Gefühl blieb bis zum Ende bestehen. Meine Sitznachbarin bei der letzten Keynote bemerkte zu Recht, dass die ganze Atmosphäre so freundlich und aufgeschlossen ist, dass man jederzeit mit allen Teilnehmern und Organisatoren ins Gespräch kommen kann. Ganz abgesehen von dem menschlichen Aspekt gab es auch thematisch viel mitzunehmen. 

Die drei Begriffe, die mich immer noch in verschiedenen Ebenen beschäftigen, sind "Vertrauen", "Zusammenarbeit" und die Frage "Warum?". 

 

Warum? Das sollten wir uns viel öfter fragen. Die Skandinavier machen das ständig, meint Maike van den Boom in ihrer Keynote. Sie hinterfragen den Sinn ihrer Aufgaben und die Art und Weise wie sie diese erledigen. Nur so können wir verhindern unnütz unsere Zeit zu verschwenden und gleichzeitig gewährleisten, dass wir uns weiterentwickeln. Den Sinn hinterfragen. Immer und jederzeit. Der Meinung ist auch Lars Vollmer bei seiner eigenen Keynote einen Tag zuvor. Wir haben viel erreicht. "New Work" ist Mainstream geworden. Doch dürfen wir uns jetzt nicht zurücklehnen und uns in moralischer Überlegenheit wähnen. 

"Distrust kills Culture" - ein Impuls von Robert Ehlert - zeigte mir auf, wie viel in unserer Arbeitswelt doch auf Misstrauen beruht. Es ist beinahe alles. Wir beginnen die Beziehung mit unserem neuen Arbeitgeber schon mit einem Vertrag, in dem vornehmlich steht was wir alles nicht dürfen. Und was wir dafür bekommen - Urlaub und Geld. Warum? Robert Ehlert ersetzt die Arbeitsverträge in seinen Unternehmen und in solchen, mit denen er zusammenarbeitet, durch Vertrauensvereinbarungen. Wenn wir – und das ist ja eine grundsätzliche Annahme von New Work – davon ausgehen, dass erwachsene Menschen im Arbeitsleben nicht wie unmündige Kinder behandelt werden sollten, ein logischer weiterer Schritt? Ein klares Ziel, gegenseitiges Vertrauen und eine gute Kommunikation kann weit mehr bewegen als das reflexhafte Aufstellen von Regeln, wenn einmal etwas schief geht. (Auch schön beschrieben von Hans Schmill im Intrinsify-Podcast mit abat)


In Skandinavien heißt Vertrauen übrigens "tillit". Von beiden Seiten gelesen gleich. Vertrauen mit der Grundannahme der Gegenseitigkeit. Ein wunderbares Wort.

Zusammenarbeit. Auch sie beruht auf Vertrauen. Die Zusammenarbeit nimmt einen immer größeren Zeitanteil in unserem täglichen Arbeitsablauf ein. In Teams und Projekten versuchen wir die Herausforderungen neuer Aufgaben zu bewältigen. Aber wie? In meinem Impulsvortrag betone ich die Wichtigkeit von Rückzugsorten am Arbeitsort - entweder für die Teamarbeit oder von der Teamarbeit. Denn ebenso wie die Kommunikation untereinander muss die stille Konzentration für jeden Einzelnen gewährleistet werden. 
Maike van den Boom nennt noch einen anderen wichtigen Aspekt der Teamarbeit: Schwächen zeigen. Schwächen zeigen? Selbstverständlich! Zum einen sind wir Menschen – das schließt Perfektion aus. Zum anderen können wir am wirksamsten sein, wenn wir unsere Stärken nutzen können und gleichzeitig Unterstützung bei Themen bekommen, in denen wir einfach nicht so gut sind. Aber wie sollen unsere Kollegen wissen, wo sie uns unterstützen können / sollten? Wir müssen unsere Schwächen kommunizieren. Und das hat wiederum mit Vertrauen zu tun. Nur dann kann Teamarbeit wirklich gut funktionieren.

Henning Beck schlägt den Bogen zwischen Fehlern und Ideen. Das menschliche Gehirn funktioniert fundamental anders als Computer. Wir interpretieren, wir verknüpfen und wir machen Fehler. Und diese Fehler führen oft zu großartigen Errungenschaften (Penicillin, Gummireifen). Ein effizienterer Weg, als auf Fehler zu warten, ist mit Denkmustern zu brechen. Die Gedanken wandern lassen. Ich habe oft die besten Ideen kurz vorm Einschlafen, Andere beim Duschen oder Hund ausführen. Ebenfalls hilfreich ist der informelle, spontane Austausch zwischen Kollegen. Dazu braucht es Freiräume. Räumliche Freiräume, aber insbesondere auch die interne Toleranz. "Haben Sie nichts Besseres zu tun als hier zu quatschen?" Allein diese Worte von Vorgesetzten können ein kreatives und kommunikatives Umfeld zerstören.

"Die Freiheit geben, das Beste zu schaffen."

Ich weiß nicht mehr wann ich ihn gehört habe, aber der Satz beschreibt meine Erkenntnisse sehr gut. Wir brauchen architektonische / räumliche Freiheiten, um uns den Aufgaben der Zukunft immer wieder neu und besser stellen zu können. Und wir brauchen die gedanklichen Freiräume, um Denkmuster zu brechen, um uns auf neue Situationen einzustellen und gemeinsam an unserer Zukunft arbeiten zu können.

Vielen Dank Pathfinder Festival.
 

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